Geschichtliches

Bayern im 13. Jahrhundert

Die Welfen

Das Geschlecht der Welfen stellte seit 1070 die Herzöge von Bayern.  Kurz gesagt waren sie politisch wankelmütig, verfolgten eine unglückliche Heiratspolitik und in ihre Regierungszeit fallen einige Bürgerkriege. In diese Zeit fallen allerdings auch die Gründungen von  Städten wie München, Schongau und Landsberg sowie die Klöster Rottenbuch und Steingaden.

Die Wittelsbacher

Als die Wittelsbacher 1180 das Herzogtum Bayern übernahmen waren sie zwar reich an Besitzungen, aber arm an Macht, was Kaiser Friedrich Barbarossa nur recht war. Allerdings hatten sie das Glück das etliche Adelshäuser in Bayern ausstarben (u.a. die Andechser, die Bogener, die Staufer). Die an den Staat zurückfallenden Grundbesitze, Grafschaften und Vogteien wurden geschickt in der Familie gehalten. Vetternwirtschaft hat in Bayern eben Tradition. Außerdem hatten die Wittelsbacher ein geschicktes Händchen bei der Heiratspolitik. So ehelichte z.B. Herzog Ludwig I. 1204 nach dem Tod seines gefährlichsten politischen Gegners, des Grafen von Bogen, einfach dessen Witwe. Ihren Söhnen aus erster Ehe war er ein guter Vater, aber sicherlich hätte es ihn gefreut zu erleben wie 1242 der letzte von ihnen kinderlos starb. Denn somit gingen die Ländereien derer von Bogen auf seinen leiblichen Sohn Otto II. über. Das blau und weiß rautierte Wappen derer von Bogen nahm er kurzerhand mit in sein Familienwappen auf. Diese Rauten zieren noch heute Bayerns Staatswappen. 1214 bekam Ludwig I. die Pfalzgrafschaft bei Rhein als Dank von König Friedrich II als Lehen.

1221 führt Ludwig im Auftrag Kaiser Friedrichs ein Kreuzfahrerheer nach Ägypten. Durch eine Nilüberschwemmung geraten sie in Gefangenschaft des Sultans al-Kamil. Nach Rückgabe der eroberten Stadt Damiette durften sie wieder zurück nach Europa.

1226 nahm der Kaiser selbst das Kreuz und übertrug Ludwig u.a. die Vormundschaft für seinen Sohn Heinrich VII. Dieser soll ihn angeblich wegen seiner Strenge gehasst haben, und Barbarossa war er mehr und mehr ein Dorn im Fleisch weil er das kirchenfeindliche Verhalten des Kaisers missbilligte.  Es kam sogar zu einer militärischen Auseinandersetzung, bei der Ludwig verlor. Derart unter Druck gesetzt zog er sich 1230 auf seine Kehlheimer Burg zurück, wo er 1231 auf der Brücke von einem Attentäter ermordet wurde, was ihm den Beinahmen „der Kehlheimer“ einbrachte.

1231 folgte sein Sohn Otto II. „der Erlauchte“ als Herzog von Bayern und Pfalzgraf bei Rhein. Schon im zarten Alter von 6 Jahren wurde er mit Agnes von der Pfalz verlobt, der Erbin der Pfalzgrafschaft bei Rhein. (Das waren die Reste der Pfalzgrafschaft Oberlothringen, die vorher den Welfen gehört hatte. Seitdem hat Bayern den Löwen welfisch-staufischer Herkunft im Wappen). 1222 heiratete er die welfische Prinzessin. Aus dieser Ehe gingen 5 Kinder hervor. Unter anderem Ludwig II. „der Strenge“ und Heinrich XIII. von Wittelsbach. 1244 war das Herzogtum so gefestigt und Otto so angesehen dass sogar ein Landtag zusammentrat um ein Landfriedensgesetz zu verabschieden.

 Nach dem Tod ihres Vaters schafften es die beiden unterschiedliche Brüder gerade mal von 1253 bis 1255 gemeinsam zu regieren. Danach teilten sie, ganz in der Tradition der germanischen Erbfolge, das Herzogtum unter sich auf. Das war zwar illegal aber aufgrund des Hickhacks um die deutsche Königs-  und Kaiserkrone zu dieser Zeit fühlte sich wohl niemand zuständig.

Seit dieser Landesteilung war Heinrich I. Herzog von Niederbayern, Stammvater des Hauses Wittelsbach-Niederbayern und Ludwig II. Herzog von Oberbayern, Stammvater der Pfälzer- und Bayernlinie der Wittelsbacher.

Seinen Beinamen erhielt Ludwig weil er 1256 seine erste Frau, Maria von Brabant, in Donauwörth aus Eifersucht köpfen ließ. (Ein Bote hatte zwei Briefe von Maria vertauscht und Ludwig hat den irrtümlich zu ihm gebrachten prompt falsch verstanden und geglaubt, seine Frau würde ihn betrügen. Als ihm der Irrtum klar wurde wars zu spät, aber er gründete aus Buße das Zisterzienserkloster Fürstenfeld.)

Ludwig heiratete in 3. Ehe die Habsburgerin Mathilde. Sie hatten 5 gemeinsame Kinder, unter ihnen Rudolf I. von der Pfalz „der Stammler“, der seinem Vater 1294 als Herzog von Oberbayern und Pfalzgraf bei Rhein nachfolgte und diesen Titel bis 1317 führte.

Obwohl die Wittelsbacher ihr Herzogtum seit der ersten Landesteilung noch 200 Jahre immer wieder unter ihren Erben aufteilten, verhinderten sie einen Zerfall in kleinste, unzusammenhängende Territorien. Ihnen verdankt Bayern seine staatliche Existenz bis in die Neuzeit, während die alten Herzogtümer Sachsen und Franken im Verlauf der Jahre untergingen.

Des Ammervolkes Heimat im 13. Jahrhundert

Peiting (Bitengoe) wird das erste Mal nach dem Tod Welfs III urkundlich erwähnt, wo von der neuen Burg Peiting die Rede ist. Diese gewinnt mit der Rückkehr Welfs IV 1055 aus Italien an Bedeutung, da er sie zum Stammsitz wählt. Bis zum Ende der Welfen in Bayern war diese Burg Mittelpunkt aller Handlungen. Nach dem Tod seines Sohnes verlor Welf VI jegliches Interesse an der Politik und vermachte seine Güter am Lechrain gegen eine Leibrente an Kaiser Friedrich Barbarossa. Nachdem dessen hohenstaufische Linie ausgestorben war ging die Herrschaft Peiting 1268 an Ludwig II. „den Strengen“ über.

Zu dieser Herrschaft gehörten auch das Gebieet des heutigen Hohenpeißenberg und Peißenberg. An der Stelle der jetziges St. Georg Kapelle auf dem Berg stand bis 1388 eine Ministerialenburg. Diese wurde wohl im 11. Und 12. Jahrhundert von den Herren von Ravensburg, Gefolgsleuten der Welfen, errichtet. Als Dienstmannen saßen unter anderem auch die Herren von Peißenberg und die Marschalken (Marschalle) von Schiltberg auf dem Bergsporn. Die Schiltberger waren eines der ältesten Adelsgeschlechter in Bayern und hatten ihren Stammsitz auf dem Hofberg bei Schiltberg (heutiger Landkreis Aichach-Friedberg). Damit waren sie unmittelbare Nachbarn der Pfalzgrafen von Wittelsbach und hatten an deren Hof das Marschalkenamt und die Hochgerichtsbarkeit (Blutgerichtsbarkeit) inne.  Nach dem Tod des letzten Welfen übertrug Herzog Ludwig II. die Herrschaft über die Burg 1286 den Grafen von Seefeld (Gemeint ist evtl. die Toerring-Seefeld Linie des oberbayerischen Hochadelshauses Toerring aus der Gegend des heutigen Tittmoning. Aber ob der Name von Seefeld am Pilsensee oder Seefeld bei Innsbruck kommt ist nicht geklärt.)Urkundlich belegt ist jedenfalls dass ein Heinrich von Seefeld seinen Besitz 1286 unter seinen Söhnen aufgeteilt hat. Heinrich der Jüngere wurde Stammvater der Seefelder von Peißenberg, sein Bruder Grimold der Stammvater der Seefelder von Seefeld am Pilsensee. Die Grafen von Seefeld blieben auf dem Hohenpeißenberg bis die Herzöge Stephan und Johann sowohl St. Georg als auch die Nachbarburg St. Jais von den arg gebeutelten Weilheimern schleifen ließen. (Die Seefelder hatten sich im Krieg der Reichsstädte um 1380 aus persönlichen Gründen gegen die Herzöge gestellt . Das herzogstreue Weilheim hatte darunter sehr zu leiden. Seine Flure wurden von den Seefeldern verwüstet, und auch der Stadtbrand von 1382 geht auf das Konto der Seefelder.)   

Apropos Weilheim: Der Ort hatte wohl im 12. Jahrhundert bereits das Aussehen und vielleicht auch die Kennzeichen einer Stadt, aber die Zeitgenossen nannten sie in Urkunden noch immer „Dorf“. Die Wittelsbacher Regenten hatten allerdings von Italien gelernt und wussten dass Städteein wichtiges Element des Staatswensens bilden. So begann bereits unter Herzog Ludwig I: und später unter seinem Sohn Otto II. ein reger Verleih von Stadtrechten. Die beiden wussten genau dass in größeren, befestigten Orten das Handwerk zu blühen beginnt und ein steuerkräftiges Völkchen heranwächst. (Wie immer und überall waren die Staatenlenker chronisch knapp bei Kasse.) 1224 teilte Herrzog Ludwig sein Land in 36 „Ämter“ ein. Seit dieser Zeit gab es ein „Ambt ze Wilhaim“. Seinen Sitz hatte der Landrichter im Pähler Schloß. Erstmals urkundlich als „Stadt“ erwähnt wird Weilheim 1238. Diese Urkunde lässt aber keinen Schluß über das eigentliche Gründungsjahr zu, dass auch schon früher gewesen sein könnte. Im 13. Jahrhundert zeigt das erste Stadtwappen noch den Mond im letzten Viertel mit drei Sternen im dreieckigen Schild. Ob der gestirnte Himmel ähnlich wie beim Wappen der Edlen von Wilhaim als Grundlage diente ist unklar. Auch seine steinerne Stadtmauer bekam Weilheim schon im 13. Jahrhundert. Die großzügige Anlage des Mauerrings mit viel unbebautem Land im Inneren lockte sowohl Edelfreie aus dem Umland (z.B. die Edlen von Schürfeisen vom Ammersee), als auch einige der viel zu zahlreichen Bauern in die Stadt, die dort ihr Auskommen als Handwerker suchten.

Die Ammer

Die Ammer entspringt aus zahlreichen Quellen im Bereich der Kreuzspitze im Ammergebirge. Aber das Wasser dieser Qellbäche versickert im Geröllstrom der zwischen Kreuzspitze und Geierköpfen das Ammerwaldtal herunterzieht. Das Quellwasser wandert unterirdisch weiter und tritt nach Beendigung des Gefälles im Graswangtal aus sogenannten Gumpen nördlich und südlich der Straße nach Linderhof als die eigentlichen Ammerquellen wieder zu Tage .Die Quellbächlein aus diesen Gumpen bilden zunächst die „kleine“ und die „große“ Ammer. Beide vereinigen sich am Durchbruch zwischen Sonnen- und Laberberg.

Der Mittellauf beginnt beim Austritt aus dem ammergauer Talbecken zwischen den Bergen Hörnle und Hochschergen und endet am Austritt aus der peißenberger Talschlucht.

Der Unterlauf beginnt im oberhausener Becken, wird dort von Eyach und Ach gespeist, durchbricht dann den Guggenberg und fließt über Polling weiter nach Weilheim.

Von da an weiter durch das Ammertal, vorbei an Raisting, zur Mündung im Ammersee bei Fischen. Aus dem Ammersee fließt sie als Amper weiter.

Die Ammer hieß früher auch in ihrem Oberlauf, vor der Einmündung in den Ammeree, „Amber“. Diesen Namen trug sie, wie die meisten Bach- und Flußnamen, schon seit den Kelten. Die weichere, schwäbische Mundart ließ daraus am Oberlauf „Amber“ zu „Ammer“. Die härtere, bajuwarische Zunge verschärfte das keltische „mb“ zur Amper.

Allgemeines

Wegen ihres zum Teil nicht unerheblichen Einflusses dürfen natürlich auch die Klöster nicht unerwähnt bleiben. Die drei nächstgelegenen waren:

Rottenbuch, 1073 von Herzog Welf I. gegründet

Benediktbeuren, 735 von Karl Martell gegründet

Wessobrunn, wahrscheinlich im 8. Jahrhundert von einer Adelsfamilie aus Rott als Eigenkloster gegründet

Des Weiteren noch ein paar Daten aus dem 13. Jahrhundert:

1203: Walter von der Vogelweide war Gast auf der Peitinger Welfenburg und schrieb ein paar Verse          über die Welfen

1204: Gründung von Landshut

1218: Gründung von Straubing

1205-1270 lebte der Oberpfälzer Tannhäuser

1267: Der letzte Staufer, Konradin, weilte in Peiting. Er befand sich auf der Durchreise nach Italien, um sich dort um seine Besitzungen zu kümmern, wurde in eine Falle gelockt und 1268 in Neapel enthauptet. Er war erst 18 Jahre alt und mit ihm ging eines der stolzesten Geschlechter Europas unter.

Sehr ausführliche Informationen zum Thema“ 13. Jahrhundert in Europa“ gibt es z.B. hier http://www.uni-bonn.de/~uph202/EinfuehrungMA/dreizehntesjahrhundert.shtml

Der gesamte Text erhebt keinen Anspruch auf Fehlerfreiheit oder Vollständigkeit! Wer einen inhaltlichen Fehler findet darf das gerne an uns weitergeben, wer einen Rechtschreibfehler findet darf ihn behalten.

Recherchiert wurde in folgenden Büchern:

-Karl Fliegauf – An Lech und Ammer

-Dr. Ludwig Stacke – Erzählungen aus der Geschichte des Mittelalters

-Dr. Hans Rid – Aus Weilheims Vergangenheit

-Lech-Isar-Land,  Ausgaben 1991 und 2008

-U. Stuhlfauth – Peiting und Schongau unter den Welfen

-Hans Dollinger – Bayern, 2000 Jahre in Bildern und Dokumenten

-Max Biller & Arbeitskreis Ortsgeschichte – Hohenpeißenberger Heimat-Lexikon

Und natürlich wurde auch Onkel Gugel befragt, der mich an Frau Wiki Pedia verwies.

Hohenpeißenberg, April 2013

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